
Lissabon
Unsere Reise in die portugiesische Hauptstadt
Lissabon, oder Lisboa wie der Portugiese sagt, ist eine interessante Stadt. Die Hauptstadt Portugals ist zugleich auch die größte Stadt des Landes. Gut eine halbe Million Einwohner leben auf 84,92 km². Die Stadt liegt an der Atlantikküste, an der Flussmündung des Flusses Tejo auf der iberischen Halbinsel.
Die Geschichte ist alt, geht bis in das Jahr 1.000 v. Chr. zurück. Bestimmend für die Entstehung der Stadt war der Tejo mit seinem im Atlantik mündendem Flussdelta. Zunächst besiedelten verschiedene Völker wie die Phönizier, Karthager, Westgoten, Mauren, Römer und viele andere den Burgberg. 1147 kamen die Christen, unter ihnen Don Alfonso Alfama, der erste portugiesische König. Nach ihm ist auch der älteste Stadtteil, gelegen zwischen Burgberg und Fluss, benannt. Zu dieser Zeit, im 12. Jahrhundert, fiel Lissabon an das Königreich Portugal dessen Hauptstadt es 1256 wurde. Im 15. Jahrhundert begann auch die Entdeckung der Meere. Die Portugiesen werden ja nicht umsonst das Volk der Seefahrer genannt. Es wurden Seewege entdeckt, es entstanden portugiesische Kolonien, der Handel blühte. Lissabon wurde zu einer reichen Stadt. Viele Völker kamen, man baute Unterkünfte und Basare. Es gab ein großes Judenviertel. Ende des 15. Jahrhunderts kam es zur Vertreibung der Juden durch die Christen. In der Rua de
S. Miguel legen noch heute Davidsterne in alten jüdischen Häusern Zeugnis von dieser Zeit ab.
Bildquelle: Wikipedia https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
1493 landete Christoph Kolumbus nach seiner ersten Amerikafahrt in Lissabon. Unter König Don Miguel wurde ein Königsschloss errichtet und es entstanden neue Stadtteile. Die Stadt wurde immer reicher. Es entstanden prächtige Herrenhäuser, Kirchen und Klöster. Darunter das prächtige Hieronymiten-Kloster und der Turm von Belem. Es entstand ein neuer Baustil, der manuelinische Stil, eine in Stein gemeißelte Kultur des Meeres.
Sicht auf Lissabon vom Schiff aus
Am 01. November 1755 wurden durch ein verheerendes Erdbeben viele kulturelle Werte zerstört, fast eine ganze Stadt. Unter König Don José I. und seinem Minister Marqués de Pombal wurde die Stadt dann wieder aufgebaut, auch der Königspalast. Es entstand die Stadt, wie wir sie heute sehen können, eine Stadt im Schachbrettmuster. Um diesen Stadtkern herum entstanden dann nach und nach neue Stadtteile. 1833 wurden die religiösen Orden aufgelöst, aus den Klöstern wurden Krankenhäuser, Ämter und Bahnhöfe. Lissabon war mit der Eisenbahn erreichbar, es gab alles, was das Herz begehrte. Mode und Parfum aus Paris, es gab Goldschmiede und Uhrmacher. Die Stadt war sauber, die Bevölkerung wurde nach Zünften angesiedelt. Im Laufe von Jahrhunderten wechselten viele Könige, viele Kämpfe wurden ausgefochten. 1910 wurde die erste Republik ausgerufen. Bis 1974 war Portugal Diktatur.
Wir waren vom 04. Mai bis 09. Mai 2007 in Lissabon und erlebten eine Stadt der Gegensätze. Alte Bauten aus längst vergangenen Zeiten stehen hochmoderner Architektur gegenüber. Während in den alten Stadtgebieten teilweise verwahrloste und zerfallene Gebäude zu finden sind, gibt es auf der anderen Seite moderne Wohngebiete, wie z. B. im Bereich der ehemaligen Weltausstellung EXPO im Jahr 1998. Ein mediterraner Charme liegt über der Vielvölkerstadt und es lässt sich nicht verleugnen, dass Afrika nicht weit ist. Viele dunkelhäutige Menschen bevölkern neben noch mehr Touristen die Straßen. Alles wirkt hell und freundlich, was aber zum großen Teil an der Sonne liegt, die dort meistens zu Gast ist.
Ein zweites Mal besuchten wir Lissabon am 30. September 2015 im Zusammenhang mit einer Kreuzfahrt um Westeuropa.
Blick vom Burgberg über Lissabon
In der Altstadt
Der Praca do Comércio, (deutsch: Platz des Handels), ist einer der drei wichtigsten Plätze in Lissabon. Auf diesem Platz stand im 16. Jahrhundert der Königspalast, der 200 Jahre Sitz der portugiesischen Herrscher war bis er 1755 dem Erdbeben zum Opfer fiel. Heute steht in der Mitte des Platzes, der von herrlichen Bauten begrenzt wird, das Reiterstandbild von Don José I.
Auf dem Praca do Comércio wimmelt es von Touristen. Dort halten auch alle Busse und Bahnen die für Sightseeing-Touren zur Verfügung stehen. Wir gingen weiter in Richtung Stadt, wo der Platz von dem großen Triumphbogen begrenzt wird. Durch diesen reich verzierten Torbogen, der 1873 gebaut wurde, gelangt man in die Rua Augusta, der Hauptstraße der Altstadt. Viele Geschäfte mit bekannten Modelabels und Souvenirläden wechseln sich mit diversen Restaurants ab.
In einer Seitenstraße steht der Fahrstuhl Santa Justa. 1902 wurde diese 45 m hohe Stahlkonstruktion errichtet, als Verbindung von der Unter- zur Oberstadt. Zunächst mit einer Dampfmaschine betrieben, wurde der Antrieb 1907 mit Elektrizität ersetzt. Heute ist dieser Fahrstuhl eine Touristenattraktion mit einer Aussichtsplattform.
Man braucht allerdings viel Geduld um mit diesem Fahrstuhl mitfahren zu können. Die Warteschlangen sind beachtlich.
Die Kathedrale
Sie ist die Hauptkirche von Lissabon, die Catedral Sé Patrircal. 1147 begannen die Bauarbeiten für diese Kirche, die wie eine riesige Festung wirkt. Während die Fassade im romanischen Stil erbaut wurde, vermischen sich in ihrem Inneren Romanik und Gotik.
Rechtes Foto: Blick auf den Hauptaltar
In Belem
Das Jeróminoskloster im Stadtbezirk Belem besticht schon durch seine Bauart. Das im manuelinischen Stil erbaute Kloster ist eine herausragende Sehenswürdigkeit. Der Ursprung war eine kleine Kapelle, die Heinrich der Seefahrer 1459 dort bauen ließ. Sie war Beginn und Heimkehr vieler Männer, die von dort aus in See stachen.
Als Dank für die glückliche und erfolgreiche Heimkehr der Seefahrer ließ König Manuel I. dort ein Kloster bauen. Gewidmet wurde es dem Schutzgott der Könige, Hyronimus. Wir besichtigten die Klosterkirche Santa Maria. Das imposante Hauptschiff ist reich verziert. In der Kirche finden sich die Grabstellen von Manuel I. und seiner Familie.
Gleich gegenüber dem Kloster, am Ufer des Tejo, steht das Seefahrerdenkmal. Es erinnert an die vielen Entdeckungen der Seefahrer im 15. – 16. Jahrhundert. Seine Hauptfigur ist Heinrich der Seefahrer (1394 – 1460), der auch Gründer der Seefahrtschule war. Das Denkmal wurde 1960 errichtet.
Unweit des Seefahrerdenkmals an der Tejomündung steht der Torre de Belém. Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Es steht als Wahrzeichen für den Ausgangspunkt der Entdeckungsreisen per Schiff im 16. Jahrhundert. Zur Seeseite befindet sich eine Madonnenstatue die als Schutzsymbol der glücklichen Heimkehr der Seefahrer
entgegensah. Der Torre ist das bekannteste Wahrzeichen Lissabons.
In der Nähe des Torre de Belem steht das Denkmal des ersten Transatlantikfliegers von Portugal von 1922.
Im Stadtbezirk Belem steht auch der Nationalpalast. Der „Plácio Nacional de Bélem“ wurde 1559 unter König Manuel gebaut. Die weitläufige Palastanlage diente den Königen überwiegend als Gästehaus. Seit der Nelkenrevolution ist dort der ständige Sitz des portugiesischen Präsidenten. Auf den Fotos sind die Zufahrt und die Wache zu sehen.
Der Burgberg
Das Castillo Sáo Jorge, die älteste Siedlung Lissabons, konnten wir von unserem Hotelfenster aus sehen. Einen imposanten Anblick bieten die Festungsanlagen, die im Laufe von Jahrhunderten auf unterschiedlichste Art genutzt wurden. So war dort z. B. im 12.- 16. Jahrhundert der Königspalast angesiedelt. Ein Besuch in diesen
alten Mauern lohnt sich. Am Eingang begrüßt Sáo Jorge aus einem Glaskasten heraus die Besucher.
Mal abgesehen von der schönen Aussicht, die wir von oben auf die Stadt und den Tejo hatten, gibt es auf der 6.000 m² großen Anlage viel zu sehen. Diese Festung ist von den Mauren im 12. Jahrhundert erbaut worden.
Einen fantastischen Blick hatten wir von Burgberg aus auch auf die Brücke des 25. April und auf die Christusstatue auf der anderen Seite des Flusses. Das einzigartige an dieser Brücke, die eine Länge von 2278 m hat, oben fahren Autos und darunter die Eisenbahn. Diese Brücke war die erste Verbindung zu der anderen Seite des Tejo. Sie trägt ihren Namen nach dem Tag der „Nelkenrevolution“, nach dem Portugal Demokratie wurde.
Die Straßenbahnen
Die Straßenbahnen in Lissabon haben Tradition. Sie sind nicht nur eine Touristenattraktion, sondern gehören zum Stadtbild und bedienen den örtlichen Nahverkehr. Das Netz ist noch 25 km lang. Mit solch einer alten Bahn haben wir eine Stadtrundfahrt gemacht. Es war spannend zu erleben, wie sich die Bahnen durch die schmalen Straßen der Stadt schlängeln. So haben wir uns auf recht charmante Weise, verbunden mit etwas Nostalgie, die Stadt angesehen. So besuchten wir bei diesem Ausflug auch das Straßenbahnmuseum, in dem die Entwicklung der Bahnen zu sehen ist. Angefangen von der Pferdestraßenbahn…
...und das gibt es auch noch...
Die Basilika de Estrela ist eine der vielen Kirchen in Lissabon. Das imposante weiße Gebäude wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und thront hoch über den Dächern der Stadt.
Der Obelisk (rechtes Foto) in der Avenida da Liberdade erinnert an die, in vielen Schlachten, gefallenen Soldaten.
Der „Rossio“ oder „Praca Dom Pedro IV.“, wie der Platz im Zentrum Lissabons richtig heißt, war einst der Platz der Inquisition, da brannten dort Scheiterhaufen. Noch bis in das letzte Jahrhundert wurde der Platz als Stierkampfarena genutzt. Hinter dem Brunnen ist das Nationaltheater zu sehen.
Mitten auf dem "Rossio", der zu den drei wichtigsten Plätzen Lissabons gehört, steht eine Säule, auf der die Bronzestatue von Don Pedro IV. thront.
Am Praca de Municipio steht das schöne, im neoklassizistischen Stil errichtete Rathaus, von dessen Balkon die erste portugiesische Republik ausgerufen wurde. Es steht dort inmitten weiterer Verwaltungsgebäude. Die gedrehte Säule in der Mitte des Platzes diente einst als Pranger.