Kalabrien

Unbekanntes Italien

Im äußersten Süden Italiens, zwischen dem Ionischen und dem Tyrrhenischen Meer, liegt die 15.000 km² große Region Calabria. Das gesamte Gebiet wird von der Apenino Calabro, einer Bergkette, durchzogen, deren höchste Erhebung ca. 2.200 Meter misst. Somit bestehen 90% der gesamten Fläche aus Hügeln und Bergen. Während am Ionischen Meer eine flache Küste mit vielen Strandabschnitten vorherrscht, gibt es auf der anderen Seite vorwiegend Steilküste mit wenigen Badebuchten. Im Süden verbindet die „Straße von Medina“ das italienische Festland mit Sizilien.

Badebuchten am Tyrrhenischen Meer – teilweise nur mit dem Schiff erreichbar

Im Norden Italiens beginnt Kalabrien etwas oberhalb der Stiefelspitze mit den Städten Crotone an der Ostküste und Cosenza an der Westküste. Die etwa 2,1 Millionen Einwohner leben überwiegend in Bergdörfern. Mit 180.000 Einwohnern zählt die im Süden gelegene Stadt Reggio de Calabria zu den größten Ortschaften. Die einzelnen Ortschaften liegen weit auseinander und sind zum Teil mit Bahnlinien verbunden.
Öffentlichen Nahverkehr mittels Bussen gibt es so gut wie nicht. Viele Wälder und Ebenen prägen die Landschaft. Olivenhaine, Plantagen mit Zitrusfrüchten und Gemüseanbau bestimmen das Tagwerk der Menschen, die dort leben. Speziell das in Norden liegende Gebiet, die Küstenebene von Sibari, früher ein
malariaverseuchtes Sumpfgebiet, ist heute eine sehr fruchtbare Gegend. Industrie gibt es kaum, die Menschen leben von der Landwirtschaft, dem Weinbau und zum Teil auch vom Fischfang.

Die Menschen die dort leben, wie schon gesagt, die meisten in den Bergen, sind zu 40% arbeitslos. Im Winter sogar bis zu 80%. Der Tourismus bewegt sich noch in den Kinderschuhen. Die wenigen Hotelanlagen sind in die Landschaft eingebettet, kaum als solche erkennbar. Unser Hoteldirektor fasste das in Worte: „So etwa wie Mallorca vor 30 Jahren“. Das hat den Vorteil, dass man das Land in seiner Ursprünglichkeit erlebt. Keine Hochhäuser verschandeln die Gegend. Der Nachteil? Der noch unausgereifte Tourismus. Von den Ansprüchen, die im Allgemeinen an Serviceleistungen gestellt werden, war man dort noch weit entfernt.

Unsere Hotelanlage

Unsere Hotelanlage, das „Sunbeach - Resort“, lag in Squellage, einem kleinen Ort am Ionischen Meer. Eine neue Ferienanlage, erst im Mai 2007 eröffnet. Wir waren dort vom 07. – 14. Oktober 2007. Viele kleine Bungalows gruppieren sich um zwei große Poolanlagen 

Wir kamen am Vormittag des 07. Oktober 2007 dort an, nachdem uns ein Ferienflieger von Berlin nach Lamezia Therme gebracht hatte. Das ist der nächst gelegene Flughafen für Kalabrien. Der Empfang war freundlich, der Check-in ging schnell. Eine Hotelmitarbeiterin führte uns zu unserem Bungalow und ein fleißiger Helfer brachte unsere Koffer dort hin. Unser Bungalow hatte zwei Räume, ein Schlafzimmer und einem Vorraum mit Couch und Tisch, weiter gab ein Bad mit Dusche. Die zweckmäßige Einrichtung war sauber und gepflegt. Vor dem Haus hatten wir eine kleine Terrasse mit Liegestühlen und der Pool war gleich vor unserer Nase.  

Bei einem ersten Spaziergang erlebten wir eine große und gepflegte Anlage mit vielen Grünflächen, Sportanlagen und gastronomischen Einrichtungen. Alles erweckte einen positiven Eindruck. Im Haupthaus befand sich die Rezeption, das Hauptrestaurant, eine Bar und die Informationsecke der Reiseveranstalter.

Durch eine Straßenunterführung hindurch erreichten wir den hoteleigenen Strandabschnitt. Wie auch an den Poolanlagen, gab es dort genügend Liegen und Sonnenschirme. Leider war der Weg ins Wasser sehr steinig und daher nicht ganz ungefährlich.

Das Haupthaus der Ferienanlage

Ausflüge

Nun wollten wir in dieser einen Woche auch etwas von der Umgebung, von Land und Leuten, sehen. Ein Ausflug führte uns in die Stadt Tropea. Diese kleine „Perle am Tyrrhenischen Meer“ hat ca. 7.500 Einwohner und liegt auf einem Felsvorsprung. Malerische kleine Gassen in denen die prachtvollen Portale der ehemaligen Adelspalazzi zu sehen sind, zeugen von dem einstigen Reichtum dieser Stadt.

Wir spazierten durch diese kleinen Gassen und ließen uns gefangen nehmen von dem italienischen Charme. Ein Besuch galt auch der normannischen Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert. Diese alte Kirche ist von den Normannen errichtet und steht auf den Grundmauern einer byzantinischen Kirche. Dieses Gotteshaus, in dem einst Bischöfe residierten, ist der heiligen Maria geweiht.

Ein Blick in die dreischiffige Kathedrale von Tropea. Bemerkenswert ist das kunstvolle Kreuz auf dem Hauptaltar (Foto links). Darüber hängt das Bildnis der Schutzheiligen von Tropea, Maria von Romania.

Weiter führt unser Weg zur Piazza Ercole, dem Zentrum der Altstadt. Von dort hatten wir einen herrlichen Blick auf den Hafen und das auf einem Felsvorsprung liegende Kirchlein Santa Maria dell´ Isola.

Vor uns lag das Meer und in der Ferne ließen sich die Äolischen Inseln erahnen. In einem der vielen kleinen Geschäfte konnten wir landestypische Speisen probieren. Da waren reines Olivenöl, Zwiebelmarmelade, Käse, scharfe Gewürze und ein Zitronenlikör. In einem italienischen Restaurant bekamen wir unser Mittagessen. Köstliche Pastagerichte wurden serviert. Danach ging es weiter in das kleine Fischerdorf Pizzo. Eine typische italienische Altstadt empfing uns.  

Den Mittelpunkt dieser kleinen Stadt bildet eine kleine Kirche, die den Schutzheiligen der Seefahrer gewidmet ist. Viele Schutzheilige gibt es dort. Die Bevölkerung ist überwiegen römisch-katholischen Glaubens. Unsere Reiseleiterin klärt uns auf, dass die Menschen es dort mit dem Glauben sehr ernst nehmen. Ebenso mit vielen überlieferten Traditionen. Es werden wohl seit etwa 20 Jahren keine Ehen mehr von den Eltern arrangiert, auch muss keine Braut mehr ihre Unschuld beweisen, aber vielen alltäglichen Lebenssituationen liegen alte Traditionen zur Grunde. Den Lebensmittelpunkt bildet die Sippe, in denen der Einzelne seinen Halt findet. Die etwa 8.000 Einwohner leben vom Fischfang, hauptsächlich Thunfisch, und der Herstellung von Speiseeis. Es gab kleine Geschäfte, Bistros und natürlich Eiscafés. Dort gibt es das Tartufoeis. Diese italienische Spezialität hat dort ihren Ursprung. Das konnten wir uns natürliche nicht entgehen lassen, auch wenn dieses leckere Eis mit 800 Kalorien pro Portion, jeder Diät Kontra bietet.

Anschließen konnten wir gleich wieder ein paar Kalorien abtrainieren. Es ging zur Burg von Pizzo, dem Castello Aragonese aus dem 15.Jahrhundert.

 

 

Castillo Aragonese - Von oben hatten wir einen schönen Blick über das Meer

Weiter ging unsere Fahrt zum Capo Vaticano. Von dieser Landzunge stürzen die Felsen in ein tiefblaues Meer. Einsame Badebuchten, die nur mit dem Schiff erreichbar sind, laden zum Verweilen ein. In der Ferne sind schattenhaft Sizilien und der Ätna zu sehen. An den Hängen wächst der Feigenkaktus und ein Bienenstock erregt unsere Aufmerksamkeit. Das ist Italien, wie aus dem Roman.

Ein weiterer Ausflug führte uns in die Stadt Soverato, auf einen italienischen Markt. Ein riesiges Warenangebot lädt zum Kaufen ein. Von der Zwiebel bis zum Abendkleid gibt es dort alles. Was uns noch aufgefallen ist? Mit Ausnahme des Hotelpersonals spricht dort kein Mensch eine andere Sprache als Italienisch. Das auch noch mit dem dort üblichen Dialekt. Also, wer die Landessprache nicht beherrscht, bedient sich am besten der Gestik.


Das war eine Woche Kalabrien, es hat uns gefallen – auch wenn meist kein Badewetter war. Aber dafür ist es Mitte Oktober wohl schon zu kühl.