Der Suezkanal

"Menschheitstraum & Zankapfel..."

…so nannte der Lektor auf der AIDAdiva, Georg Hahn, seinen Vortag über diese bedeutende Wasserstraße. Wenn man sich mit der Geschichte und dem Bau des Suezkanals beschäftigt, lernt man, diesen Ausspruch zu verstehen.

Wir durchfuhren diesen Kanal am 5./6. November 2014 mit dem Kreuzfahrtschiff AIDAdiva. Der Suezkanal ist eine künstliche Wasserstraße, die nicht nur das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, sondern auch die Grenze zwischen zwei Kontinenten bildet. Afrika und Asien grenzen an die Ufer des Kanales. 193,30 Kilometer sind zu befahren um von einem Ende bis zum anderen zu gelangen, zwischen Port Said und der Stadt Suez.

Die Geschichte über den Bau des Suezkanals geht bis in die Zeit der alten Ägypter zurück. Schon damals gab es eine Verbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer, allerdings ging diese vom Nildelta aus. Es gibt eine Sammlung von Dokumenten die Aufschluss darüber geben, wie diese weltweit wichtigste Wasserstraße entstand. Diese Sammlung wird in der ägyptischen Botschaft in Paris aufbewahrt und gehört zum UNESCO – Weltdokumentenerbe.


Federführend für den Bau des Suezkanals war der Franzose Ferdinand de Lesseps (1805 – 1894). Der Diplomat hatte es aber nicht leicht, musste er sich doch oft mit verschiedenen Nationen auseinandersetzen, die den Bau verhindern, oder aber Sonderrechte eingeräumt haben wollten. Unterstützung erhielt er von seinem Freund, dem ägyptischen Vizekönig Muhammed Said. So wurde Lesseps 1854 die erste Konzession für den Bau zugesprochen. Auch die Finanzierung war nicht problemlos. Es wurde eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Paris gegründet. Am 25. April 1859 startete der Bau. Begonnen wurde dort, wo heute die Stadt Port Said ist, die ihren Namen nach Muhammed Said trägt.

Foto: Google Earth

Ferdinand de Lesseps
Foto: Wikipedia

Bis zu 1,5 Millionen Menschen bewerkstelligten das wohl größte Bauvorhaben seiner Zeit. Unzählige verloren dabei ihr Leben. Es musste eine Infrastruktur geschaffen werden, die die Arbeiten in der Wüste erst möglich machten. Dadurch entstanden u. a. die Städte Port Said und Suez.  Am 17. November 1869 wurde der Kanal nach zehnjähriger Bauzeit mit einem großen Fest eingeweiht. Drei Tage dauerten die Festlichkeiten, die ihren Höhepunkt in der Aufführung von Verdis „Rigoletto“ hatten. 426 Millionen Franc hatte der Bau verschlungen. 

Der Kanal ist an der Wasseroberfläche zwischen 280 und 345 Meter breit. 14 Fähren ermöglichen Fahrzeugen und Personen die Überquerung der Wasserstraßen. Es gibt zwei Brücken, die den Kanal überspannen. Eine davon ist die größte Drehbrücke der Welt. Eigentümer ist die Suezkanal-Gesellschaft, eine öffentliche Institution, die für alle Belange zuständig ist. Der Suezkanal ist heute für fast alle Schiffe zu gleichen Bedingungen nutzbar. Die Suezkanal-Gesellschaft regelt die Verkehrsbedingungen in denen genau festgeschrieben ist, wann, in welcher Reihenfolge und wie schnell die Schiffe den Kanal passieren dürfen. Die Nutzungsgebühr ist abhängig von der Tonnage der Schiffe und kostet im Schnitt an die          250 000 US-Dollar. Es herrscht Lotsenpflicht, d. h. jedes Schiff muss mit einem Lotsen besetzt sein.

Der Kanal ist Einbahnstraße, es gibt drei Ausweichstellen. Die Schiffe bekommen vorgeschrieben, an welchen Stellen sie den Gegenverkehr passieren lassen müssen. So z. B. der große und der kleine Bittersee. Zukunftsorientiert plant die Suezkanal-Gesellschaft den Kanal zweispurig auszubauen.

Einfahrt in den Kanal bei Port Said.

Einfahrt in den Kanal bei Port Said. Der Lotse ist an Bord gekommen. Von den Schiffen werden bestimmte technische Voraussetzungen verlangt. Unter anderem sind bei Nachtfahrten starke Scheinwerfer am Bug vorgeschrieben. Diese wurden dort extra auf das Schiff gebracht. Es wird im Konvoi gefahren zu meist 20 Schiffen. Die genaue Zahl legt aber die Verkehrsleitstelle fest. Das regelt sich auch nach der Größe der einzelnen Schiffe. Da wir frühzeitig dort waren, waren wir das erste Schiff in unserem Konvoi, das in den Suezkanal einfuhr. Das war so um 22:30 Uhr. Auf der Strecke sind alle 125 m Poller installiert, an denen die Schiffe im Bedarfsfall festmachen können. Auch Schlepper stehen für den Notfall bereit. Es gab jedoch in den vielen Jahren erst zwei Vorkommnisse, die den Kanal aber lahmlegten. Ein Schiff blockierte im Jahr 2004 mit Maschineschaden mehrere Tage die Fahrrinne und die Kollision zweier Frachtschiffe sorgte erst in diesem Jahr für erhebliche Verzögerung im Verkehrsablauf.

Die Schiffe warten im Bittersee auf ihre Genehmigung zur Weiterfahrt. Sie müssen zunächst den entgegenkommenden Verkehr passieren lassen. Das kann Stunden dauern.

Eine Kontrollstation am Bittersee.
Die Überwachung erfolgt über ein computergestütztes Verkehrsleitsystem.

Auf der asiatischen Seite des Kanals erstreckt sich die weite Wüste des Sinai. An einer Stelle steht eine lange Reihe von Lastkraftwagen, die auf die Fähre warten um übergesetzt zu werden. Rechts: Eine Militärstation auf der asiatischen Seite bei Stromkilometer 149.

Etwa acht Kilometer vor Suez stehen zwei Masten für über Land führende Stromleitungen. Diese mussten 226 Meter hoch sein und so gesichert, dass durch evtl. herabfallende Kabelteile kein Schiff gefährdet wird.

Ägyptische Seite 

Asiatische Seite

Auf der ägyptischen Seite sieht es auch recht trostlos aus. Teilweise ist es etwas grüner.

 

 

Hinter den deichähnlichen Sandbergen erstreckt sich über eine lange Stracke eine Mauer, die wohl die Landesgrenze sichern soll.

Dann kam Suez in Sicht. Wir hatten das Ende des Kanals erreicht.

 

Nun geht der Suezkanal über in den Golf von Suez, der dann in das Rote Meer mündet. Die gesamt Durchfahrtzeit beträgt 12 – 16 Stunden. Etwa 15 000 Schiffe durchfahren Pro Jahr diese Wasserstraße.